Kabinengeflüster VII

9. September 2008


Schimanski? Nein, Hauptkommissar
Wichmann auf heißer Spurensuche
weise_gottfried
Das Bild in der kleinen Kabine 5 vermittelte etwas Symbolhaftes – die Fortuna rückte enger zusammen; so wie zuvor beim verdienten, aber hart erkämpften 3:2 gegen Hürriyet. Capitano Jockel Rieck stimmte danach erfreut mit einem aufgekratzten Team das „Zickezacke…“  


an und machte schon einmal eine klare Ansage Richtung Mittwoch: „Mit der Moral siegen wir auch gegen Rudow Neukölln.“
Eine Kabinenatmosphäre, die rundum Zufriedenheit (nicht zu verwechseln mit Selbstzufriedenheit) ausstrahlte. Keeper Henry Rembach knüpfte an den guten Auftritt im Pokal an, Raimond Kluge zeigte wieder einmal, dass seine Tore aus der Distanz  alles andere als Zufälligkeiten sind. Abwehrchef  Jürgen Hinz setzte  bekannte Offensiv-Akzente (Volleyabnahme in der 37. Minute). Jockel Rieck stellte sich mit gewohntem Engagement und größtenteils überzeugenden Tacklings dem gefährlichsten Angreifer der Gäste. Schicki Schickgram demonstrierte auch als Teilzeitarbeiter vor den Augen des strengen Papas, dass er mit seiner Raffinesse am Ball und seiner taktischen Schläue fast unersetzbar ist. Sveni Küchler  überzeugte wieder einmal als perfekter Teamplayer. Von den Neuzugängen punktete Torschütze Torsten Schrumpf  mehr als Jörg Müller in der Defensive. Vorn traf der gewohnt wuselnde André Weise (arbeitete wie die gesamte Offensive gut nach hinten) auf ungewöhnliche Art zum vorentscheidenen 3:1. Die einen – wie Chefkritiker Micha Schuthi – sagen (sarkastisch)so: „Mit aller Wucht und Präzision“, die anderen – wie  Kabinencomedian Raimond Kluge – sagen so: „ Andrè, ich wusste gar nicht, dass der Knöchel Deine Geheimwaffe ist…“ Angriffspartner Peter Wichmann hatte seine herausragende Szene bereits in der 8. Minute: feiner Doppelpass mit Jürgen Hinz, Sprint bis zur Grundlinie, Zuspiel auf Torsten Schrumpf – 1:0. Der blonde Mecklenburger mit seiner enormen Schnelligkeit – der ideale Konterstürmer im Taktik-Konzept von Coach Dr. Gerd Schreiber.
Was wäre die Fortuna ohne den blonden Blitz Peter Wichmann? Unbestechliche Auskunft über seine sportliche Vita geben die kritischen und fundierten Berichte von Hauptzensor Micha Schuthi. Beispiele gefällig:
12. Spieltag 07/08, 6:3 gegen Neukölln/ Rudow: „Fortuna geht durch P. Wichmann nach langem Sprint über` s gesamte Feld und plötzlichem Torschuß erstmals in Führung.“ 23. Spieltag, 6:0 gegen Adlershofer BC: “Peter beschenkte sich selbst nachträglich mit 3 Toren zum Geburtstag. Diese hatte er übrigens vorher angekündigt.“ In der Halbzeitbilanz urteilt
der Berichterstatter: „Peter Wichmann ist auf Grund seiner Schnelligkeit offensiv immer für eine überraschende Aktion gut, muss aber defensiv disziplinierter werden…“
Er grinst: „Ich habe nun mal mehr Spaß, Tore zu schießen als zu verhindern.“ Dabei lässt er sich in keine Schublade stecken. Mal ist er der unaufhaltsame Sprinter beim Kontern, mal der abstaubende Opportunist, mal der temperamentvolle Angreifer auf dem hin und wieder notwendigen Egotrip. Trotzdem ordnet sich Peter dem Teamspiel unter. Mit Andrè Weise bildet er in der Offensive ein harmonisches Pärchen. Beide erzielten in einer Saison schon einmal 40 Tore. „Da habe ich Andre im letzten Spiel  mit 5 Treffern noch die Torjägerkrone weggeschnappt“, verrät der heute 45jährige Offensivspieler und ergänzt: „Deshalb hab `ich ihm auch in der letzten Saison diesen Titel gegönnt.“ Kein Futterneid ? Peter Wichmann:   „Jeder kann sich auch über das Tor des anderen freuen. Hinzu kommt, dass wir beide schon vor unserer Zeit bei Fortuna für Motor Baumschulenweg stürmten und auch privat gut miteinander auskommen.“ So hielt der professionelle Knipser Andre die Hochzeit von Peter mit seiner Kathrin am 6.Juni 08 in Bildern fest. Und kürzlich trafen sich die Wichmanns und Weises beim „Italiener“. Gnadenlose Rivalität sieht anders aus.
Biss allerdings zeigte Peter schon immer – bereits als 9jähriger Straßenbolzer in der mecklenburgischen Kleinstadt Loitz, in der Nähe von Demmin, nicht allzu weit von Greifswald. „Mein Mathe-Lehrer lockte mich zum Fußball“, erinnert sich Peter. Mutter Wera, heute 66, ein Leben lang von harter Fließbandarbeit im Holzgewerbe gefordert, sah das gar nicht allzu gern. Peter: „ Ich kann das ja verstehen, denn ich kam immer mit total dreckigen Klamotten nach Hause.“ Doch Sturmtalent Peter blieb bei der Stange, schoss schon bald Tore für die Kreisauswahl der Schüler von Demmin. Als jedoch die Sportschule Neubrandenburg rief, sagte Mutter Wera nein.
Dazu Peter: „Auch ich wollte am Ende nicht. Mit 12 Jahren weg von zu Hause, das war mir nichts. Von Loitz bis Neubrandenburg waren es immerhin 50 Kilometer.“ Bodenständig blieb auch sein sportlicher Vorfahre in der Familie – „Opa Max, der Ringer.“ Neben Großvater Paczkowski bewies auch Peters ein Jahr ältere Schwester Birgit, inzwischen Friseurmeisterin, ihr sportliches Talent: „ Sie holte als junges Mädchen Spartakiadegold im 400-Meter-Lauf.“ Vater Bernd und den jüngeren Bruder Marco verlor Peter in den 90er Jahren durch zwei tragische Verkehrsunfälle. „Das waren harte Schläge für die Familie, besonders für meine Mutter.“
Es war die Zeit, als Peter beruflich schon auf eigenen Füßen stand. Seine Devise: „Den Eltern nicht lange auf der Tasche liegen…“ Nach Abitur, Armeedienst, Polizeischule erlebte der heutige Hauptkommissar der Kripo seine „spannendste Zeit bei der Personenfahndung“, wo im wirklichen Leben nicht Schimanski, sondern Wichmann die heiße Spur ermittelte.
Sein schwierigster Fall ? „ Nur die Stimme verriet den Mörder.“ Seit vier Jahren ist er bei der „POLIKS- Projektgruppe“ der Berliner Polizei beschäftigt und unterstützt seine Kollegen bei der täglichen Arbeit mit diesem Programm. Seine Computerfachkenntnisse brachte er inzwischen in eine Super- Internetseite der Fortuna ein. Der Kreativkopf erfreut: „Täglich rund 150 Zugriffe auf unserer Seite.“
Ehefrau Kathrin, ebenfalls Beamtin, die „zwei bis dreimal in der Woche ins Fitnessstudio geht“, gehört seit einem Jahr zu den Stammzuschauern bei den Spielen der Fortuna. Gemeinsam verfolgen die Wichmanns gespannt den Weg der Tochter Juliane von der Musikschule übers Abitur bis zum angestrebten Studium der Sozialwissenschaft. Katja, die Tochter aus Peters erster Ehe, „hat mich inzwischen schon zum Opa gemacht. Die Kleine heißt Shana und ist ein Jahr alt.“
Opa?  Wer ihn die „täglichen rund 30 Kilometer von Biesdorf nach Tempelhof  und zurück auf dem Fahrrad“ strampeln sieht, wird es ihm kaum abnehmen –dem Schwejk: „Ruf` mich an, du weißt schon, 110…“
 
10 Fragen an den Schimanski der Fortuna – an Peter Wichmann

Was bedeutet Dir Fußball? Das schönste Hobby der Welt.
Dein Erfolgsgeheimnis?  Meine Schnelligkeit – die noch vorhanden ist. Außerdem schieße ich links wie rechts. Alte DDR-Schule.
Was motiviert Dich? Die gute Truppe, der positive Geist im Team. Außerdem freue ich mich, dass meine Frau seit einem Jahr bei den Heimspielen dabei ist und sich so auf ihre Art mit einbringt. Animiert dazu hat sie vor allem Andrea Weise, die Stimmungskanone.
Worüber kannst Du Dich aufregen? Über Ungerechtigkeit, Maßlosigkeit.
Deine Lieblingsmannschaften?  Jena in den sechziger und siebziger Jahren mit dem exzentrischen Peter Ducke. Der war als Mittelstürmer natürlich ein Supertyp. Als Kind des Nordens habe ich immer auch ein Auge auf Hansa geworfen. Achim Streich und Gerd Kische, Rostocks damalige Nationalspieler, haben mir am meisten imponiert.
Deine Fußballidole aus der Kindheit? Obwohl ich erst 10 Jahre alt war, kann ich mich noch ganz gut an die Europacupspiele zwischen Dynamo Dresden und Bayern München erinnern. Das waren ja absolute Kracher. Erst das 4:3 für die Bayern in München, dann der Krimi mit dem 3:3 in Dresden. Damals fiel mir besonders Franz Beckenbauer auf. Seine große Zeit als weltbester Libero kam ja erst noch.
Deine persönliche Sternstunde? Ich glaube, es war der 1. Mai 2004. Da haben wir mit Motor Baumschulenweg in Johannisthal gespielt. Die hatten eine Supertruppe. Hendel und Seier spielten früher bei Union bzw. beim BFC und der lange Rudwaleit sogar  über dreißig Mal in der DDR-Nationalmannschaft. Am Ende haben wir trotzdem 6:1 gewonnen – und ich hatte Bodo drei Dinger eingeschenkt. Ich hörte ihn nur fluchen: „ Der 12er geht mir auf den Zeiger…“
Die größte sportliche Niederlage? 2005, als es noch zwei Staffeln bei der 7. Altliga- Verbandsliga gab – die Niederlage im Halbfinale mit Fortuna Biesdorf, auch in Johannisthal, mit 1:2. Da waren Lutze Hahn, Jockel Rieck, Michael Schuthi, Gerdchen Schreiber und Jürgen Hinz auch schon dabei.
Was würdest Du als Bundestrainer sofort machen? Ich würde Lehmann aus dem Team nehmen, wenn er nicht schon draußen wäre. Man sollte nicht zu lange an den älteren Spielern festhalten. So sehe ich das auch im Fall Michael Ballack. Die Szene mit Oliver Bierhoff nach dem verlorenen Finale kam nicht gut an. Ein Kapitän muss sich besser im Griff haben. Außerdem konnte er bei der EM spielerisch auch nicht überzeugen.
Dein Lebensmotto? Am besten jeden Tag mit guter Laune aufstehen und damit die ganze Familie anstecken. 

 

 

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