Kabinengeflüster XXV Trainer Jürgen Hinz: „Als Jockel nicht mehr Capitano sein wollte“

18. April 2011

weise_gottfriedNach dem 5:0-Erfolg über Bero Mitte stellte sich der 52jährige Jürgen Hinz  in Georgs Sportcasino folgendem Interview:

Enttäuscht, dass der Titel noch nicht eingefahren werden konnte ?

JH: Wir haben noch genügend Zeit, um alles klar zu machen. Besonders in der zweiten Hälfte waren wir richtig heiß, waren aggressiv in den Zweikämpfen und haben teilweise tollen Fußball gespielt. Das freut mich für unsere Frauen, die in Heimspielen Stimmung machen.

Für Dich ist es die erste Saison als verantwortlicher Trainer.  Mit welchem Anspruch bist Du angetreten ?


 

JH: Ich hatte so ein paar konkrete Vorstellungen. Mir schwebte vor, wenn möglich, zunächst auf eine Stamm-Mannschaft zu setzen. Als gelernter Defensivmann sage ich: Kein Angriffsspiel ohne Absicherung. Und taktisch kann man immer hinzulernen.

Auf der Internetseite der Fortuna lobte der vom Verletzungspech verfolgte Raimund Kluge: „Die Ernte, die der Doktor (Schreiber) in der vorigen Saison gesät hat, kann jetzt eingefahren werden. Hut ab vor Jürgen Hinz und der Mannschaft. Das passt“. Sieht er das richtig ?

JH: Absolut. Gerdchen hat erst einmal Struktur ins Team gebracht. Seine Leistung wäre bei ein bisschen mehr Glück schon im Vorjahr mit dem Titel belohnt worden.

Machte es Sinn, auf einen Stamm-Siebener zu setzen ?

Auf jeden Fall. Eine gewisse Eingespieltheit bringt stets Vorteile. Doch wichtig ist, dass dahinter die Konkurrenz mit den Hufen scharrt. Und da haben wir in dieser Saison eine Qualität wie noch nie. Allein im Offensivbereich bieten sich mit Torsten Schrumpf, Peter Wichmann, Heiko und Renè Schickgram, Andrè Weise und Mike Groß sechs Mann an. Da ist automatisch Druck vorhanden. Nur wenn der vorhanden ist, ruft jeder seine optimale Leistung ab.

In der Defensive ist die Fortuna mit nur 30 Gegentoren in 21 Spielen absolut top…

JH (lacht): Vielleicht liegt es ein wenig daran, dass ich gelernter Defensivspieler bin. Nein, im Ernst: Mit Henry Rembach im Tor, Jockel Rieck hinten rechts und Micha Schuth  im Abwehrzentrum stand die Abwehr eigentlich schon. Hinzu kam Uli Berger, der in der Defensive links seinen Platz gefunden hat. Was Besseres konnte uns nicht passieren, nachdem unsere Stimmungskanone Raimund Kluge wegen allerhand Pech fast komplett ausfiel. Ich habe Raimund Mut für die nächste Saison zugesprochen.

Wer hat Dich in dieser Saison am meisten überzeugt ?

JH: Es ist schwer, aus einem insgesamt funktionierendem Team einen einzelnen herauszuheben. Aber ich denke doch, dass der Uli Berger seine stärkste und stabilste Saison spielt. Der Wechsel von der Offensive in die Defensive ist ihm bestens bekommen. Gefreut habe ich mich auch, dass Peter Wichmann seine Krise mit viel Energie erfolgreich überwunden hat. Er wollte ja schon aufhören. Auch MüllexMüllermusste sich nach Verletzung  erst wieder hart herankämpfen. Respekt habe ich genau so  vor Mario Gläß, der universell einsatzbar ist, oder SveniKüchler, der schon lange verletzt ist, aber stets mit einem launigen Spruch und der Flagge bei jedem Spiel dabei ist. Wichtige und für den Trainer unverzichtbare Eckpfeiler sind natürlich auch in diesem Jahr der toreffiziente Heiko Schickgram, Capitano Jockel Rieck und Abwehrorganisator Micha Schuth. Gerade auch in kritischen Situationen, wenn sich mal konträre Meinungen aufgestaut haben.

Wovon hast Du in Deiner ersten Saison weiterhin profitiert ?

JH: Ganz klar auch von der familiären Atmosphäre im Verein. Mit Gerdchen Schreiber ist ja auch der richtige Mann als Co an meiner Seite, als Presidente. Wenn mal Not am Mann war, dann halfen im Tor Torsten Wietgrefe oder Achim Funk mit erstklassigen Leistungen aus. Nicht zu vergessen die „Jungspunde“ Carsten Staaks, Dirk Kamin oder Kay Prahm. Dieses solidarische Verhalten hat auch dazu beigetragen, dass wir heute in dieser komfortablen Situation sind.

Welche Partie verlief aus Deiner Sicht taktisch nahezu perfekt ?

JH:  Also, das 1:0 bei Empor war schon klasse. Ich wusste, die treten mit voller Kapelle an, auch mit Olaf Seier und lauern auf Konter. Deshalb sollte sich Micha keinesfalls aus der Abwehrzentrale locken lassen. Da Jockel überragende Zweikampfstärke unterstrich, hatten wir das Spiel unter Kontrolle. Vorn lief Andrè seine Gegenspieler müde. Das nutzte Torsten bei seiner Einwechslung mit einem typischen Schrumpftor zum Erfolg. So ein Jokerstreich gelingt natürlich nicht immer.

Wolltest Du schon mal hinschmeißen ?

JH:  Gleich nach dem ersten Spiel bei Aufsteiger Anadolu Umutspor. Wir hatten Personalprobleme. Ich musste selbst noch mal ran. Wir verspielten beim 2:2 eine 2:0-Führung.Da dachte ich jedenfalls: Das kann ja heiter werden.

Was hat Dich eine schlaflose Nacht gekostet ?

JH: Ob`s eine ganze schlaflose Nacht war, weiß ich nicht mehr. Doch ich kam schon ins Grübeln, als Jockel zu mir kam und nicht mehr Capitano sein wollte. Wir kennen uns so lange. Ich konnte ihn zum Glück überzeugen, dass er weiter die Binde trägt. Gut für die Mannschaft und gut für den Trainer.

Wie unterstützt Dich Dein familiäres und berufliches Umfeld ?

JH: Viel Verständnis finde ich in der Firma Gebäudeservice von Mario Wodara vor. Mario hat als ausgebildeter Trainer natürlich einen guten Draht zum Fußball. Genau so mein Bauleiter Frank Paege. Und meine Frau Martina, die gelernte Erzieherin ist, toleriert mein Fußballspiel.

Würde Ehefrau Martina auch einer „Vertragsverlängerung“ zustimmen ?

JH: Martina unterschreibt alles, wenn es um Fortuna geht. Es sei denn, Barcelona ruft an.

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