Kabinengeflüster XI

25. Mai 2009

Gelungene Herrenparty unterm Fernsehturm

weise_gottfried

Auf nach Berlin-Mitte, Richtung Rosenthaler Platz. Das Ziel: Die kleine Hamburger Straße, ganz exakt – der Sportplatz „Auguststraße“ von Blau Weiss Berolina Mitte. Im Prinzip unterm Fernsehturm. Die FG mit Sveni am Steuer, Jockel als Co und André als Lotse outete sich als  ergiebige Info-Börse: „ Die haben uns aus dem Pokal rausgehauen“…

 

„ Das Hinspiel haben wir gegen Bero Mitte vergeigt:0:1.“ Und wenn schon der Capitano mit an Bord ist, dann will der Schreiberling auch ein par Aussagen zu einzelnen Personalien „geflüstert“ bekommen. Jockel Rieck bestätigt:  „Schicki und Peter fehlen heute, aber Raimund kann spielen.“ Und Jockel blickt mit prophetischer Gabe voraus: „Raimund ist heute ganz wichtig…“

In der Tat: Raimund gehört schon ganz früh die Bühne. Vorerst – wie anders – als Ulknudel. Mit einem beinahe mitleidigen Blick mustert er vor dem Kick off Sveni Küchlers bunt verpackte Knie und lästert: „ Du, Sveni, die Eishockey-Saison ist doch vorbei.“ Sveni kontert: „Irgendwie muß man ja auffallen.“ Das gelingt Raimund bereits nach wenigen Minuten. Allerdings im Alarmbereich. Der Defensivmann wird in Höhe der Mittellinie gegen zwei Blau-Weisse allein gelassen. Er hechelt hinterher, Henry hilft und hält den ersten Ball, den zweiten köpfelt Raimund von der Linie. Der „Täter“hinterher erleichtert: „Ups, noch mal gut gegangen. Wenn ich das Ding versaut hätte, wäre ich der große A…gewesen.“

 

Nachdem Blau Weiss mit einem doppelten Doppelpass in Führung geht, Torsten  knapp verzieht, kommt Raimunds zweiter Auftritt – die Rache: Der Linke machts gnadenlos mit rechts: 1:1.

Sveni, von Keeper Henry schon als Info-Radio-Stimme der Fortuna wahrgenommen, flüstert mir im Fußballdeutsch: „ Raimund Kluge glich mit dem so genannten schwachen rechten Bein aus.“

 

Während Coach Dr. Gerhard Schreiber nach dem 1:1 zur Pause von seinen Männern noch einmal „volle Pulle“ fordert, wagt Martina, die Frau von Abwehrchef Jürgen Hintz, diese Prognose: „ Wir gewinnen auf jeden Fall. Die Jungs haben das drauf.“ Und was sie draufhaben – es folgen 20 Minuten vom feinsten. Der an diesem Tag unglaublich fintenreiche und dribbelstarke Micha Schuth holt einen Freistoß heraus. Jockel und Raimund zelebrieren diese Nummer ganz edel. Jockel läuft an, täuscht und tippt die Kugel mit der rechten Sohle zurück – vor den linken Dampfhammer von Raimund. Rumms!!! 2:1(Das erinnerte an die Co-Produktion von Peter Ducke und Bernd Bransch beim vorentscheidenden WM-Qualispiel der DDR 1973 in Leipzig gegen Rumänien – Details dazu erläutert unser Fußball-Archivar Jörg Müllex Müller!)

 

Die (verspätete) Herrenparty unterm Fernsehturm nimmt Fahrt auf. Jockel  will nicht nur als Vorbereiter in die Matchchronik eingehen, sondern – wie Raimund – auch als Torschütze. Das gelingt dem dynamischen und konterstarken Capitano dann auch mit einem gewaltigen Donnerschlag zum verdienten 3:1.Fortuna hatte mit Raimund Kluge, Jockel Rieck und Micha Schuth sicher an diesem Tagseine herausragenden Leistungsträger. Doch das Beeindruckendste am 3:2-Gesamterfolg bei Blau Weiss Bero Mitte war das Teamwork. Fortuna funktionierte als gut organisierte Mannschaft. Deshalb sollte man auch nicht die Auftritte der weiteren Teamkollegen ignorieren. So lebte die Fortuna auch von einem mehrmals toll reagierenden Henry, von der mentalen Stärke und dem Stellungsgeschick von Abwehrchef Jürgen Hintz, vom Forechecking und der lückenreißenden Pendelei von Andrè. Uli zeigte Auge bei der Spieleröffnung, Torsten beeindruckte mit seiner Schnelligkeit beim Dribbling (weniger mit coolem Abschluß),Mario und Sveni überboten sich fast als Motivatoren am Spielfeldrand. Müllex schließlich sorgte mit einer souveränen Abwehraktion kurz vor Ultimo dafür, dass es eine gelungene Herrenparty unter dem Fernsehturm wurde. Alle waren von dieser Präsentation recht angetan – auch der sonst so kritische „Manne“ Schickgram, der Papa vom diesmal verhinderten Heiko Schickgram.

Auf der Rücktour von Berlin-Mitte an den östlichen Rand wurde in der Fahrgemeinschaft Sveni, Jockel, André lebhaft diskutiert. „6 Spiele, 5 Siege, 1 Remis – was für eine Serie!“ Nur  – altes Lied, altes Leid: Wieder einmal ein wenig spät…

 

 

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