Kabinengeflüster X (Dr. Gerhard Schreiber)

22. April 2009

Gerhard Schreiber: „Ich war dann mal weg“ –

an der afrikanischen Westküste  von Angola

weise_gottfried„Alle hatten mich gewarnt, es sei noch immer brutaler Krieg in Angola. Ich habe Weggefährten verloren. Und meine Rückkehr war ungewiss.“

Es ist nicht die Afrika-Bilanz von Dr. Gerhard Schreiber, sondern vom portugiesischen Autor Mendes. Es hätte unter Umständen aber auch Gerhards Bilanz sein können.

Als der junge Hochschullehrer 1980  in der Hauptstadt Luanda eintraf, tobte der fast drei Jahrzehnte lange Bürgerkrieg. Alles konnte tödlich sein: Der Boden, die Straße, die Savanne, das Land. Oder eine Panzerhandgranate, „ die das Auto eines Mitarbeiters aus dem technischen Stab zerfetzte“. 

Und seine Rückkehr – war die auch ungewiss ? Sie war auf jeden Fall von einem Schatten befallen – von Hepatitis C. Die Lebenskoordinaten von Mendes und Schreiber liegen also nicht meilenweit auseinander.

 

Aber konkret: Was bewog Gerhard zum „ich war dann mal weg“ ?  Nach seinem vierjährigen Studium zum Diplom-Wirtschaftler wurden 1980 an der Hochschule für Ökonomie Lehrer für einen Einsatz in Angola gesucht. „Ich habe das nicht nur als spannende Sache angesehen“, blickt Gerhard zurück. „Vor allem sah ich darin eine Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln.“ Was ihm auch gelang. In seiner Dissertation A 1985 wählte er, verknappt formuliert,  das Thema „Wirtschaftsbeziehungen zwischen der DDR und Angola“.

 

Davor lag aber eine „Ochsentour“ – die Vorbereitung auf den Aufenthalt von 1980 bis 1983 in dem riesigen Land, in dem Portugiesisch unumgänglich ist, die Sprache der früheren Kolonialmacht. Das hieß: „Ein Dreivierteljahr Crashkurs, jedes Wochenende pauken, jedes Wort aufschreiben und lesen.“ Nach einem halben Jahr, so glaubt Gerhard, war er recht ordentlich fit. Angolas Hauptstadt Luanda an der Atlantikküste „zeigte sich einigermaßen entspannt“ bei seiner Ankunft. „ Kein Vergleich zur zugespitzten Lage im Landesinneren.“ Das erste Problem im Wohnblock: „Kein Wasser aus dem Hahn. Das konnte nur mit Eimern besorgt werden und war nur an bestimmten Tageszeiten zu haben.“

 

Wie präsentierte sich denn der Hörsaal ? Da lacht er schallend: „ Eine zerfallende Hütte, darüber ein löchriges Dach und um dich herum bis zu 200 junge Angolaner.“ Trotz der schwierigen Situation, „bei 35 bis 40 Grad im Schatten und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit Volkswirtschaftslehre zu vermitteln“, überwiegt in seinem Rückblick das Positive. Er habe „viele nette Angolaner kennen gelernt und Menschen mit einem starken Willen.“

 

Unvergesslich die Erlebnisse mit Kindern. Die waren auch deshalb ziemlich nachhaltig, weil der Wohnblock („ Im Marzahner Stil“) der Lehrer aus Schweden, Portugal und der DDR  inmitten der Hütten-Landschaft der Angolaner stand. „Da den Lehrern ein Barkas zur Verfügung stand“, erinnert sich Gerhard, „haben wir an jedem Wochenende einen kleinen Ausflug veranstaltet, mit jeweils zehn ausgesuchten Kindern. Da strahlten die Augen der Kleinen…“

 

Konnte man in der Hauptstadt Luanda auch schon Angolas Fußball wahrnehmen, dessen Föderation 1979 gegründet wurde ? „ Ins Stadion zu gehen, wäre zu gefährlich gewesen. Davor wurde dringlichst gewarnt.“ Dass Angola einmal die WM-Teilnahme schafft, „hätte ich nie für möglich gehalten.“ Nigeria rausgekegelt und beim Sommermärchen 2006 dabei!

Zweiundzwanzig Jahre nach Gerd Schreibers Expedition von Biesdorf nach Luanda und zurück.

 

Der inzwischen promovierte Dr. oec. Gerhard Schreiber war bis 1989 Dozent. „Dann kam der große cut“, wie er es nennt. Umschauen, Umhören waren angesagt. Schon ein Jahr später fand Gerhard bei einem Informationskongress über Steuerlehre seinen Weg zur heutigen Tätigkeit.

Seit 1993 arbeitet er mit zwei Rechtsanwälten im Büro „Amsler, Czempiel, Schreiber“. Der Job sei „heavy und verlangt schon 12 bis 14 Stunden am Tag.“ Aber er sei „nicht etwa trocken“, sondern „regt den Kopf an.“

 

Als 1. Vorsitzender von Fortuna Biesdorf investiert Gerhard mindestens noch einmal „5 bis 8 Stunden wöchentlich“, weil ihm „Fortuna ans Herz gewachsen“ sei, er „den Verein wirtschaftlich stabil halten und qualifizierte Übungsleiter für den Nachwuchs gewinnen“ möchte. Jetzt freut er sich für die Erste, dass „Toralf Arndt seit kurzem Trainer ist. Er kommt mit Oberligapraxis daher, ist seit zehn Jahren bei uns, hat eine Lizenz und war zuletzt Co von Jürgen Franz. Also ein logischer Schritt.“

 

Und er selbst ?

Wird Gerdchen, wie den Trainer langjährige Weggefährten wie Jockel, Micha, Jürgen oder Sven rufen, auch in der nächsten Saison die 7er Truppe coachen ? „Das ist jedes Jahr dasselbe“, schmunzelt er und schaut zu seiner Frau: „  Du entscheidest…“ Petra, Assistentin in einer Personalberatung, ist mit dem Fußball groß geworden. Der Vater begeisterte sie für Rot-Weiß Erfurt. Jetzt steht sie natürlich auf Fortuna, denn da spielt der Sohn Matthias „Matze“ Meyer. Gerd: „Ein Typischer Sechser oder Mittelfeldmann auf den Außenpositionen.“  Tochter Andrea, Juristin, Assistentin an der FU „hat mit Fußball weniger am Hut, es sei denn, die Nationalmannschaft spielt bei einem großen Turnier. Dann fiebert sie natürlich mit.“ Ihr generelles Interesse am Fußball könnte sich aber steigern, wenn die Prognose von Opa Gerd aufgeht und „die  Enkel Janne und Malte weiter Talent zeigen.“

 

Apropos Familie: Am 27. Mai feiert Mutter Elfriede („Sie ist noch quicklebendig“) im thüringischen Bad Langensalza ihren 90. Geburtstag.

Da kehrt Gerhard dann an jenen Ort zurück, wo seine Fußball-Wiege stand. Vater Kurt „ging mit mir jedes Wochenende zum Fußball. Mit 9 Jahren begann ich bei Empor Bad Langensalza. Erst als Rechtsaußen, später als Stopper. Auf dem Weg in die Bezirksauswahl bin ich auch Rüdiger Schnuphase begegnet“, der mit Erfurt bekannt und mit Jena als Libero erfolgreich wurde.

 

Nach dem Abi sagte Gerhard: „Ich gehe dann mal weg“ – nicht nur nach Afrika.

 

Fortuna for ever!

 

10 Fragen an den Multi-Funktionsträger Dr. Gerhard Schreiber

 

Was bedeutet Dir Fussball ?

Neben meiner Familie das Wichtigste im Leben. Ein optimaler Ausgleich für den stressigen Job.

Dein Erfolgsgeheimnis ?

Teamfähigkeit, Hartnäckigkeit, Konsequenz.

Was motiviert Dich ?

Meine Familie, die hinter mir steht. Ein gutes Team bei den 40ern und im gesamten Verein Freunde, auf die man sich immer verlassen kann. In schweren Zeiten den Verein sicher durch alle Turbulenzen zu führen und mit der Ersten die Verbandsliga zu erreichen.

Worüber kannst Du Dich aufregen ?

Mangelnde Einsatzbereitschaft, Überheblichkeit und Unehrlichkeit.

Deine Lieblingsmannschaften ?

Als Jugendlicher Borussia Mönchengladbach – zu Zeiten von Netzer, Wimmer, Bonhof, Vogts. Heute alle Mannschaften, die schnell und attraktiv nach vorn spielen und auch auf die Jugend setzen, z. B. Leverkusen mit Labbadia, Dortmund mit Klopp, international Manu, Arsenal, Liverpool und Barca.

Deine Fußballidole aus der Kindheit ?

Beckenbauer, Netzer – alles Leute, die auf dem Platz und  daneben etwas repräsentieren.

Deine persönliche Sternstunde ?

Der Aufstieg in die Verbandsliga 1995/96 mit der Ersten. Die Finalteilnahmen als Spieler und Trainer der 40er gegen Weißenseer FC.

Deine größte sportliche Niederlage ?

Der Abstieg aus der Verbandsliga (damals Bezirksliga Ost) 1980.

Was würdest Du als Bundestrainer sofort machen ?

Helmes und Gomez als Sturmduo den Rücken stärken. Podolski ausmustern.

Dein Lebensmotto ?

Sage ehrlich Deine Meinung, auch wenn man ab und zu damit unbequem ist. Konstruktive Kritik bringt uns alle voran.

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